Walter Maus Kunst in Königsdorf
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Walter Maus

Sich ein Bild machen von der Welt

Liebe Besucherinnen und Besucher meiner Ausstellung im Seniorenstift St. Elisabeth,

wenn wir in diese Welt hineingeboren werden, liegt sie uns in allen ihren Möglichkeiten zu Füßen. Wir sind als Kinder auf magische Weise noch mit allem verbunden, was uns umgibt. Kommt nun im Laufe der Jahre die Erinnerung, die Erfahrung dazu, so fühlen wir uns der Welt ausgesetzt. Die Mutter hilft, jeden Schmerz oder den Hunger zu überwinden, und in der Nacht schenkt ein Kuscheltier Geborgenheit. Später soll dann ein Talisman oder ein Fetisch bei der Bewältigung des Lebens helfen.

Viele kluge Leute schlagen allerdings vor, durch Wissen und Aufklärung die Ereignisse des Lebens besser durchzustehen. Hier setzt nun das ein, was ich in der Überschrift benannt habe: Sich ein Bild machen von der Welt. Aber dies kann nach meiner Einschätzung nicht nur ein intelligenter Prozess sein, denn es ist ja der ganze Mensch gefordert.

Josef Beuys hat einmal gesagt: "Wir sind alle Künstler". Ich stimme ihm insofern zu, weil alle Menschen, indem sie ihr Leben leben, ein großes Kunstwerk schaffen. Romane beschreiben es, Lieder besingen es und Bilder stellen es dar. So gibt es die unterschiedlichen Möglichkeiten, sich seines Lebens zu vergewissern. Ein Gespräch unter Freunden besitzt eine ähnliche Qualität. Dies hebt alle in den göttlichen Zustand eines Schöpfers. Jede Arbeit, jedes Werk macht uns dazu, gleichgültig in welchem Bereich man tätig ist. Die so genannten bösen Dinge gehören natürlich mit dazu, sind sie doch ein Aspekt der Vergänglichkeit.

Ich selbst fühle mich bevorzugt, wenn ich ruhig in der Gegend sitzen kann und, meinen Malblock auf den Knien, eine Zeichnung machen kann. Wieder war es auch Königsdorf mit allen seinen Stadtteilen, Groß- und Kleinkönisdorf, Neufreimersdorf und Neubuschbell, wo ich tätig werden konnte, so dass schon im August die zwölf Zeichnungen für den Königsdorf–Kalender 2012 fertig waren. Als dann im September und Oktober das Wetter weiter schön blieb, habe ich noch eine malerische Expedition durch meinen Garten gemacht. An Motiven mangelt es dort nicht. Hier habe ich den zeichnerischen Gestus weitergeführt und mit Ölkreiden direkt auf die weiß grundierten Leinwände gearbeitet.

So habe ich mir Bilder von meiner Welt gemacht, von denen ich hoffe, dass sie Ihnen gefallen. Die sehr duftige Qualität der Bilder soll auch zeigen, dass die Materie ständig in Schwingung ist und erst durch die Kraft unserer Gedanken und den Klang unserer Stimmen als Resonanz ihre Form bekommt.

Königsdorf im November 2011
Walter O.P. Maus

Oben: Selbstportrait von 1997.